Auf die Füße achten, Diabetesfolgen stoppen - Gefährliche Warnsignale ernst nehmen und (be)handeln

Auf die Füße achten, Diabetesfolgen stoppen - Gefährliche Warnsignale ernst nehmen und (be)handeln

15.09.2015

Ratgeber: Auf die Füße achten, Diabetesfolgen stoppen - Gefährliche Warnsignale

Kälte- oder Taubheitsgefühle können Anzeichen einer Neuropathie sein. Foto: djd/Wörwag Pharma/Getty Images

Es lohnt sich, auf die Füße zu "hören": Denn sie können Warnsignale für eine gefährliche Folgeerkrankung des Diabetes, die Polyneuropathie, senden. An dieser Nervenschädigung erkrankt laut dem Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) etwa jeder dritte Diabetiker. Nicht selten tritt sie sogar schon im Vorstadium des Diabetes auf. Für Betroffene bedeutet das oft heftige Beschwerden wie Schmerzen, Missempfindungen oder Funktionseinschränkungen.

Aber die Polyneuropathie kann sogar zu Amputationen, Behinderungen und Invalidität führen. Wie sollte man seine Füße am besten überprüfen (lassen), um dies zu verhindern? Welche Symptome sind alarmierend? Wie können die Folgen der Polyneuropathie ausgebremst werden? Fragen dazu stellten Frauen und Männer den Experten im Chat auf www.experten-im-chat.de/diabetes.

Wichtige Symptome und häufige Gründe

Weshalb die Polyneuropathie so gefährlich ist, das erklärt Dr. Helga Zeller-Stefan, Fachärztin für Innere Medizin, Ernährungsmedizin und Diabetologin mit Diabetes-Praxis in Essen: "Wenn die Sensibilität in den Füßen - bedingt durch eine Nervenschädigung - nachlässt, bleiben Verletzungen oft unbemerkt. So können sie sich schmerzlos bis zu tiefen Wunden entwickeln und den Fuß gefährden."

Neben der nachlassenden Sensibilität, den Schmerzen oder Missempfindungen wie Kribbeln, Brennen oder Taubheit gehören auffallend trockene Haut oder Hornhautschwielen an den Füßen zu den Warnsignalen der Erkrankung - sie sollten beim Arzt abgeklärt werden. Denn "es ist sehr wichtig, rechtzeitig eine korrekte Diagnose zu stellen und gegebenenfalls eine entsprechende Therapie einzuleiten, um bleibende Nervenschäden zu vermeiden", warnt Dr. Alin Stirban, Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie.

Stirban ist Leitender Arzt des Bereichs Diabetologie und Endokrinologie, Sana Klinikum Remscheid und Sana Arztpraxen Remscheid. Als mögliche Ursachen für eine Polyneuropathie nennt er hohe Blutzuckerwerte, erhöhte Blutfettwerte, Vitaminmangel, mangelnde Bewegung, Alkoholkonsum oder das Rauchen. Um die weitere Entwicklung der Nervenschädigung auszubremsen, gelte es, den Stoffwechsel zu optimieren, sich ausgewogen zu ernähren, die Vitaminversorgung zu verbessern sowie das Rauchen und den Alkoholkonsum zu reduzieren. Bewegung und spezielle Übungen für Füße sowie Unterschenkel können ebenfalls hilfreich sein.

Am besten täglich kontrollieren

Dr. Helga Zeller-Stefans Rat: Sobald eine Nervenstörung oder eine Durchblutungsstörung bekannt ist, sollte man die Füße am besten täglich kontrollieren. Dr. Nadine Mattes, Fachärztin für Innere Medizin, Diabetologin und Notfallmedizinerin am Klinikum Stuttgart, betont, dass mindestens einmal jährlich eine medizinische Untersuchung hinzukommen muss. Ein Blick in die Schuhe ist nach ihren Worten ebenfalls wichtig: Darin können Steine oder andere Fremdkörper stecken, die die Füße verletzen.

Beschwerden wirksam lindern

Generell empfehlen die Experten, auf geeignetes Schuhwerk zu achten, das nicht drückt und dem Fuß Schutz bietet. Zusätzlich sei eine regelmäßige Fußpflege äußerst wichtig. Um neuropathiebedingte Beschwerden zu lindern, gibt es laut Dr. Stirban "viele Möglichkeiten, von rezeptfreien Substanzen wie Benfotiamin (eine Vorstufe des Vitamin B1) oder Alpha Liponsäure (ein Vitalstoff, auch Antioxidantium genannt) bis hin zu verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln oder so genannten Antidepressiva."

Insbesondere im Anfangsstadium können gut verträgliche, vitaminähnliche Wirkstoffe wie das Benfotiamin zur Linderung von Schmerzen und Missempfindungen wie Kribbeln und Taubheit beitragen. Studien zeigen, dass dieses Provitamin die schädlichen Auswirkungen des erhöhten Blutzuckers reduziert und so Nerven und Blutgefäße schützt. Bei starken Beschwerden kann der Arzt außerdem verschreibungspflichtige Schmerzmittel verordnen. Hier muss er wegen potenzieller Nebenwirkungen Nutzen und Risiken abwägen und die Behandlung individuell auf jeden Patienten abstimmen.

 

- Das Deutsche Diabetes-Zentrum informiert unter diabetes-heute.de ausführlich über Diabetes sowie unter dem Menüpunkt "Patientenfragen" auch über das Thema Begleit- und Folgeerkrankungen.

- Die Aufklärungsinitiative "Diabetes! Hören Sie auf Ihre Füße?" zur diabetischen Neuropathie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen mit Diabetes und Interessierte über das Thema Diabetes und eine seiner häufigsten Folgeerkrankungen, die Neuropathie, zu informieren und die Früherkennung und rechtzeitige Behandlung zu fördern. Mehr Informationen dazu erhalten Sie unter www.hoerensieaufihrefuesse.de.

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