Schulter-Arthrose: Neue Implantate regen Knochenwachstum an

Schulter-Arthrose: Neue Implantate regen Knochenwachstum an

19.09.2014

Aktuelles: Schulter-Arthrose: Neue Implantate regen Knochenwachstum an

Dr. Jörn Kircher erklärt einer Patientin die Röntgenaufnahme

Starke Schmerzen in der Schulter, die Beweglichkeit ist eingeschränkt – helfen konservative Behandlungen nicht weiter, kann eine Schulterprothese eine gute Alternative sein. Jetzt gibt es ganz neue Implantate, die von Dr. Jörn Kircher von der Klinik Fleetinsel Hamburg mitentwickelt wurden. Das einzigartige Material fördert das Knochenwachstum, die Prothese kann besser einheilen. Wichtig für jüngere Patienten: Spätere Wechseloperationen werden durch die Neuentwicklung ebenfalls vereinfacht.

Kein anderes Gelenk bietet einen so großen Bewegungsspielraum: Das Schultergelenk ermöglicht Bewegungen in einem Kreis von 360 Grad. Der Nachteil dieser Mobilität: Das Schultergelenk ist sehr anfällig für Verletzungen und Verschleiss.

Beim Schultergelenk handelt es sich um ein Kugelgelenk. Es setzt sich aus dem Oberarmkopf und der Gelenkpfanne zusammen. Geführt und stabilisiert wird das Gelenk durch die Rotatorenmanschette. Dabei handelt es sich um vier Muskeln, die die Schulter manschettenartig umfließen. Die Muskeln der Rotatorenmanschette sorgen dafür, dass der Oberarmkopf immer in der Schulterpfanne bleibt – auch bei Bewegungen. Wie alle Gelenke besitzt das Schultergelenk eine schützende Knorpelschicht.

„Mit zunehmendem Alter nutzt sich der Knorpel immer mehr ab. Auch Sportunfälle oder chronische Überlastung können zu einem Knorpelschaden führen“, sagt Privatdozent Dr. Jörn Kircher, Leiter der Schulter- und Ellenbogenchirurgie der Klinik Fleetinsel Hamburg. Die Knorpelschicht wird immer dünner. Im Endstadium reiben die Gelenkflächen direkt aufeinander. Eine Arthrose des Schultergelenks (Omarthrose) entsteht.

Anfangs treten die Schmerzen nur beim Liegen auf der Schulter und bei Belastung des Armes auf. Später leidet der Patient unter Bewegungseinbußen. Der Arm kann nur noch eingeschränkt abgespreizt und nach außen gedreht werden.

Zunächst wird bei Schulter-Arthrose immer versucht, mit schmerzstillenden und entzündungshemmenden Medikamenten sowie Krankengymnastik eine Besserung zu erzielen. Oft helfen auch Injektionen mit zum Beispiel Hyaluronsäure oder Kortison. In Einzelfällen kann versucht werden, den Knorpel gezielt wieder aufzubauen.

Ist der Knorpelverschleiß zu weit fortgeschritten, hilft in der Regel nur noch ein künstlicher Gelenkersatz. Eine Schulter-Endoprothese, auch Schulterprothese genannt, ist dem natürlichen menschlichen Schultergelenk nachempfunden. Es kann sowohl der Oberarmkopf als auch die Schulterpfanne ersetzt werden – oder beides (siehe Info-Kasten unten).

Viele Patienten fürchten sich vor dem Fremdkörper im Körper. Tatsächlich sollten sich die Betroffenen vor der Operation genau informieren, welche Prothese der Arzt empfiehlt und warum. Wie oft der Arzt diese Art von Eingriffen bereits durchgeführt hat, zählt ebenfalls zu den wichtigen Fragen, die man sich als mündiger Patient beantworten lassen sollte.

Die Forschung läuft auf Hochtouren, um immer bessere Implantate zu entwickeln. Das ist jetzt gelungen: Ein Team aus italienischen, deutschen, englischen und Schweizer Ärzten und Wissenschaftlern - darunter Dr. Kircher von der Klinik Fleetinsel Hamburg - hat nun Implantate aus einem ganz neuen Material entwickelt: Sie besitzen an den Kontaktzonen zum Knochen eine einzigartige Oberfläche aus trabekulärem Metall („Trabecular Titanium“). So kann der Knochen schneller an- und einwachsen. Eine sehr schnelle und dauerhaft feste knöcherne Verankerung ist die Folge. „Prothesen aus trabekulärem Titan regen das Knochenwachstum an und wachsen sieben Mal schneller im Knochen ein als Prothesen aus normalem Titan“, freut sich Dr. Kircher. Weltweit einzigartig: Die dreidimensionale, hexagonale Zellstruktur des Trabecular Titaniums ähnelt einem menschlichen Knochen. „Studien belegen, dass die Poren für ein optimales Einwachsen des Knochens eine bestimmte Größe haben müssen. Genau diese Größe haben wir für die neuen Implantate gewählt. So wird das künstliche Gelenk stabil und elastisch zugleich“, sagt Dr. Kircher.

 

Ebenfalls neu: Bei den neuen Implantaten handelt es sich um ein „modulares Prothesensystem“. Das bedeutet, dass jede Prothese aus mehreren Einzelteilen besteht. Diese Teile können einzeln zusammengesetzt und – ganz neu - auch einzeln wieder entfernt werden. Dr. Kircher: „Neu ist vor allem, dass die Implantate in Einzelteilen wieder entfernt werden können. Das ist besonders für jüngere Patienten von Vorteil, die in der Regel nach zehn bis 15 Jahren ein neues Implantat benötigen. Die Wechseloperation ist dann viel schonender. Der Arzt braucht nicht – wie bisher üblich - die ganze Prothese zu entfernen, sondern wirklich nur den Teil, der abgenutzt ist.“

Gut zu wissen: Die neuen Implantate sind für alle Patienten mit Schulter-Arthrose geeignet. Denn es gibt Implantate für alle Defekte. Auch unterschiedliche Größen sind verfügbar. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten.

 

Interview

 „Die neue Prothese wird länger halten“

Interview mit Privatdozent Dr. Jörn Kircher, Leiter der Schulter- und Ellenbogenchirurgie der Klinik Fleetinsel Hamburg

 

Welche Vorteile hat der Patient von den neuen Implantaten?

Dr. Kircher: Der Patient ist schneller wieder fit. Denn das neue Material regt das Knochenwachstum an. So wird die Prothese besser und schneller vom Körper angenommen. Da körpereigene Knochenzellen in das Implantat einwachsen, ist die Prothese sehr stabil.

Wie lange hält die neue Schulter-Prothese?

Dr. Kircher: Die Haltbarkeit einer Schulterprothese liegt derzeit bei zehn bis 15 Jahren. Ich erwarte für die neue Prothese bessere Standzeiten, denn das Material und die Technik sind viel besser.

Und was passiert nach den 15 oder mehr Jahren?

Dr. Kircher: Dann muss die Prothese ausgewechselt werden. Patienten mit dieser neuen Generation von Prothesen werden später eine besonders schonende Wechseloperation haben. Der Grund: Die Prothese besteht aus vielen Einzelteilen. Bei der Operation braucht der Arzt nur die abgenutzten Teile zu entfernen.

Ist die Nachbehandlung gleich?

Dr. Kircher: Ja. In der ersten Zeit muss die Schulter in einer speziellen Schiene ruhig gestellt werden, damit die Wunde verheilt. Nach etwa drei Wochen wird die Orthese entfernt. Von Anfang an ist Krankengymnastik wichtig, um ein Einsteifen der Schulter zu verhindern. Die Übungen werden unter Anleitung nach und nach gesteigert. So werden die Muskeln wieder aufgebaut. Nach etwa zwölf Wochen kann der Patient den Arm in der Regel wieder normal bewegen.

Wie kann man Schulterbeschwerden vorbeugen?

Dr. Kircher: Mit regelmäßiger körperlicher Bewegung, wie Gymnastik oder schonendem Schultertraining wie beim Nordic Walking. Ich empfehle auch eine gezielte Kräftigung der Schultern, zum Beispiel regelmäßiges leichtes Kraft-Training. Außerdem sollte man auf eine korrekte Haltung am Arbeitsplatz achten. Ungünstig ist vor allem, wenn man beim Sitzen ständig die Schultern nach vorne nimmt.

 

Info-Kasten

Welche Schulter-Prothesen gibt es?

Je nach Art und Grad der Zerstörung des Schultergelenks und je nachdem, inwieweit die stabilisierenden Muskeln des Schultergelenks (Rotatorenmanschette) ebenfalls geschädigt sind, stehen drei verschiedene Schulterprothesen-Typen zur Auswahl. Für alle drei Prothesenarten gibt es die neuen Implantate aus trabekulärem Metall.

● Hemiprothese

Es handelt sich bei der Hemiprothese um einen Teilersatz des Schultergelenks. Hierbei wird nur die Gelenkfläche des Oberarmkopfes ersetzt beziehungsweise mit einer Metalloberfläche überzogen. Sie wird daher auch Oberarmkopfprothese, Teilprothese oder Kappenprothese genannt. Die Gelenkpfanne muss bei den betroffenen Patienten noch intakt sein. Die Hemiprothese der Schulter erlaubt somit eine knochensparende Vorgehensweise.

● Totalendoprothese

Weist nicht nur der Oberarmkopf, sondern auch die Gelenkpfanne einen schweren Knorpelschaden und eine deutliche Deformierung auf, kommt die sogenannte Totalendoprothese in Frage. Bei diesem auch Schulter-TEP genannten Verfahren ersetzt der Arzt beide Gelenkflächen – sowohl Oberarmkopf als auch Gelenkpfanne.

● Inverse Prothese

Bei der inversen (umgekehrten) Schulterprothese werden die Gelenkpartner des Schultergelenks vertauscht: An der Stelle, an der beim Menschen der Oberarmkopf liegt, wird eine Gelenkpfanne eingebracht und dort, wo sich bei normaler Anatomie die Gelenkpfanne befindet, wird eine dem Oberarmkopf ähnliche Halbkugel befestigt. Die inverse Prothese ist für Patienten mit zerstörter Rotatorenmanschette gedacht, denn sie verlagert das Drehzentrum der Schulter nach unten und innen. So ist man für die Funktion der Prothese nur auf einen Muskel angewiesen – und zwar auf den Deltamuskel.

 

Weitere Informationen unter:

Klinik Fleetinsel Hamburg
Admiralitätstraße 3-4
20459 Hamburg
Tel.: 040 - 37 67 10
Mail: info@klinik-fleetinsel.de
www.klinik-fleetinsel.de

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