Das Suchtpotenzial des Menschen – Von Risikofaktoren und Risikogruppen

Das Suchtpotenzial des Menschen – Von Risikofaktoren und Risikogruppen

13.10.2017

Aktuelles: Das Suchtpotenzial des Menschen – Von Risikofaktoren und Risikogruppe

Die Faktoren der Sucht führen meist mehrfach zusamen. fotolia.de © Leszek Czerwonka (#167968943)

Süchte sind in allen Gesellschaften weit verbreitet. Abhängigkeiten ebenso und oft sind sie von Süchten nur schwer zu trennen. Abhängig ist jemand, wenn er das zwanghafte Bedürfnis nach dem Konsum einer Substanz verspürt, süchtig dagegen kann man auch nach Geschlechtsverkehr, dem Internet oder Glücksspiel sein. Jede Sucht und jede Abhängigkeit ist durch verschiedene Risikofaktoren bedingt. Außerdem sind bestimmte Gruppen anfälliger für Süchte, als andere.


Süchte und Risikofaktoren

Die Ursachen und Risikofaktoren für Süchte (im Folgenden werden Abhängigkeiten ebenfalls unter dem Begriff „Sucht“ subsumiert) sind vielfältig. So spielen zum einen die Familie und die Gene, zum anderen aber auch das soziale Umfeld, in dem jemand aufwächst, eine Rolle. Trinken nahe Angehörige regelmäßig sehr viel, so lässt sich ein gesteigertes Potenzial zum Alkoholmissbrauch oft auch bei Nachkommen beobachten.

Auch die Häufigkeit des Konsums einer Substanz oder des Ausführens einer bestimmten Handlung, kann zu Suchtverhalten führen. Meist zielt der Substanzmissbrauch oder eine jener Handlungen darauf ab, eine angenehme Wirkung im Körper hervorzurufen. Dies können etwa Euphorie, der Abbau von Hemmungen, Leistungssteigerung oder als aufregend und stimulierend wahrgenommene Halluzinationen sein. All diese Gefühle machen für Betroffene negative Nebenwirkungen, die als Symptome auftreten, wie Schlafstörungen, Infektionen, Organschäden und psychische sowie soziale Probleme, wett.

Um die Entstehung einer Sucht zu vermeiden ist Prävention erforderlich. Selbst wenn Kinder bereits in jungen Jahren etwa mit der Volksdroge Nummer 1 in Deutschland, dem Alkohol, konfrontiert werden, heißt das nicht, dass sie automatisch irgendwann zur Flasche greifen müssen. Aufklärung durch staatliche Maßnahmen reicht jedoch häufig leider nicht aus. Denn die eigene Psyche spielt mitunter die wichtigste Rolle.


Warum die Psyche eine entscheidende Rolle spielt

Verschafft man sich einen Überblick über alle „Drogen“, fällt auf, dass die wenigsten Substanzen und Handlungen wirklich körperlich abhängig machen. Opiate sind die am stärksten abhängig machende Substanz, dicht gefolgt vom legalen Nikotin und von Alkohol. Amphetamine dagegen sowie Psychedelika, wie Cannabis, LSD und Meskalin sorgen lediglich für eine psychische Abhängigkeit. Mit Sexsucht, Spielsucht und Co. steht es genauso. Warum aber sind dann so viele Menschen süchtig nach irgendetwas? Ist ihre Psyche dermaßen schwach?

 

Bild: Psychische Krankheiten können eine Sucht fördern oder gar als Auslöser wirken. fotolia.de ©beeboys (#61059095)

 

Verneinen lässt sich letztere Frage nicht. Ganz so einfach ist es aber eben auch nicht, denn der Beginn einer Sucht steht meist im Zusammenhang mit anderen psychischen Problemen. Kommt dann Suchtverhalten hinzu, nimmt der Teufelskreis erst Recht seinen Lauf, denn die Kompensation der eigentlichen Probleme mittels einer Sucht als Ventil sorgt auf Dauer nur für weitere Probleme.

Am Anfang einer Sucht stehen oftmals ganz harmlose Symptome, wie:

  • Stress
  • Unruhe
  • Ängste
  • Zeitdruck
  • Emotionale Belastungen
  • Isolation

All diese Symptome führen zu Konflikten und Spannungen. Um gegen diese anzugehen, werden oft vermeintliche Abkürzungen genommen. Statt selbst Ursachenforschung in der eigenen Psyche zu betreiben, wird ein Ausgleich gesucht. Denkmuster, wie „Ich fühle mich gestresst!  Aber wenn ich nun einen Joint rauche, dann bin ich gleich viel entspannter!“ schleichen sich schneller ein, als viele denken. Was anfangs nur in Ausnahmefällen gemacht wird, wird bald zur Routine und die Betroffenen „können nicht mehr ohne“. Um erst gar nicht in eine solche psychische Abhängigkeit zu geraten, gilt es, sich nicht mit solchen Substanzen zu belohnen oder diese gar als Ausgleich für andere Probleme zu benutzen.

Natürlich ist die Psyche aber auch nicht der einzige entscheidende Faktor, bzw. ist das Suchtverhalten dem Betroffenen gelegentlich nicht vorzuwerfen, weil dieser sich eventuell in einer derart schlechten psychischen Verfassung befindet, dass er nicht mehr klar denken kann und nicht mehr im Stande ist, über sein Verhalten vorab zu überdenken. Auch fühlen sich viele Betroffene von Ritualen oder bestimmten Gruppen, in denen sie verkehren, stark unter Druck gesetzt. Auffälliges Verhalten, das an Suchtverhalten erinnert, sollte also auch bei Bekannten und Verwandten beobachtet werden, um im Zweifelsfall Hilfe und Unterstützung bei einer eventuell notwendigen Therapie leisten zu können.

Risikogruppe Kinder und Jugendliche

Eine der größten Risikogruppen für Süchte sind junge Menschen, teilweise schon Kinder, vor allem aber Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren. Das erhöhte Potenzial von Substanzen oder anderen Dingen abhängig zu werden, lässt sich mit den psychischen Prozessen, die im Körper und Geist eines Pubertierenden ablaufen, erklären.

Rein evolutionär betrachtet, dient die Pubertät dazu, sich in gewisser Weise von der Familie und ihren Ritualen und Gepflogenheiten langsam abzunabeln, selbstständig zu werden und in ein eigenes Leben zu starten. Teil dieses Prozesses ist es, viele Dinge auszuprobieren und hin und wieder auch Risiken einzugehen. Diese Neugier richtet sich vollkommen natürlich auch auf Dinge, die die Eltern oder Erziehenden als gefährlich einstufen, bzw. derer sie sich abwenden.

Das Interesse, das Gemiedene selbst zu erkunden und zu hinterfragen, ob es dafür berechtigten Grund gibt, ist in vielen jungen Menschen angelegt. Die Risiken abzuwägen, die mit derartiger Neugier oftmals einhergehen, ist eine Fähigkeit die dagegen leider manchmal hinterherhinkt. Außerdem fehlt meist eine Reflexionsfähigkeit, die in der Regel erst mit einer gewissen Lebenserfahrung und einer breiteren Palette an Ansichten und Meinungen einhergeht.

 

Bild: Gerade Jugendliche sind für körperliche Suchtmittel, wie Alkohol, besonders anfällig. fotolia.de ©runzelkorn (#43924926)

 

Der erste Kontakt mit Suchtmitteln oder für Außenstehende eigenartige und unverständliche Verhaltensweisen, wie zum Beispiel das „Komasaufen“, können Folgen dieser pubertären Neugier und Naivität sein. Schneller, als den meisten Jugendlichen lieb ist, kommt es dann, gerade beim Kontakt mit unterschätzten Suchtmitteln, wie dem Alkohol, oftmals zu ersten Suchtanzeichen, die ebenfalls nicht richtig gedeutet werden können. Vielen Betroffenen wird daher erst im Erwachsenenalter klar, dass eine Sucht schon seit viel längerer Zeit im Anmarsch war.

Ähnliches gilt nicht nur für tatsächlich körperlich abhängig machende Substanzen, sondern beispielsweise auch für verbotene und damit aufregende Dinge, wie gewalttätige Filme oder etwa pornografische Medien. Gerade Letztere bieten für Jugendliche, die dabei sind ihre Sexualität zu entdecken, eine echte Suchtgefahr, da sie in Zeiten des Internets in nahezu jedem Haushalt, frei zugänglich sind. In vielen Fällen ist professionelle Hilfe ratsam, um eventuelle lebenslange Verwundungen durch den Konsum von Pornos zu vermeiden – auch, wenn junge Menschen das oft nicht wahrhaben möchten.

Risikogruppe Frauen und Männer

Aufgrund des männlichen Sexualhormons Testosteron sind Männer nachweislich stärkeren sexuellen Trieben ausgesetzt als Frauen. Das Risiko, an Porno- oder Sexsucht zu erkranken, ist also bei Männern folglich auch höher, als bei Frauen. Doch auch für andere Süchte sind Männer anfälliger, als Frauen. Während von Nikotinsucht Männer und Frauen gleich stark betroffen sind, leiden mehr Männer unter Alkoholismus, als Frauen. Das mag unter anderem daran liegen, dass bei Männern noch immer gesellschaftliche Rollenerwartungen im Zusammenhang mit hohem Alkoholkonsum stehen. Außerdem schätzen Männer ihr eigenes Risiko einer Suchterkrankung häufiger falsch ein, als Frauen.

Auch beim Glücksspiel liegen die Männer vorne. Als glückspielsüchtig eingeschätzt werden rund 1,3 % der Männer und 0,3 % der Frauen. Weiterhin können 1,2 % der Männer sowie 0,3 % der Frauen mit einem problematischen Spielverhalten, also mit der Vorstufe zur Sucht, eingestuft werden.
Bei der Medikamentensucht trifft es im Übrigen vor allem Frauen. Erklärt werden kann dies eventuell mit häufigeren Arztbesuchen aufgrund gehäufter Gedanken um das eigene Wohlergehen sowie erhöhtem Psychopharmaka-Konsum bei Frauen.

Generell jedoch gehen die Tendenzen aller Süchte auf einen Ausgleich zwischen Männern und Frauen zu, da seit dem gesellschaftlichen Wandel und der Gleichberechtigung Rollenbilder und Traditionen an Relevanz verlieren.

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